Make your own free website on Tripod.com
Home | English Version | The Songs, the Lyrix | Horror, Grusel, Classix | Thriller, Cops'n'Robbaz | Pseudonyme | Linx | Impressum | Zum Gästebuch
Das Italowestern-Archiv
Bring Mir Den Kopf Von Alfredo Garcia (Bring me the Head of Alfredo Garcia)

alfredo1.jpg
Kennen sie den ? (Gig Young, Robert Webber)

alfredo2.jpg
Der Tequila-Wurm zeigt Wirkung (Isela Vega, Warren Oates)

R: Sam Peckinpah; B: Sam Peckinpah, Frank Kowalski; M: Jerry Fielding; K: Alex Philips Jr.; D: Warren Oates, Isela Vega, Gig Young, Robert Webber, Emilio Fernandez

 

Irgendwo in Mexiko vergibt der mexikanische Clanchef El Jefe (Emilio Fernandez) einen Mordauftrag an die US-Mafia. Der dahergelaufene Alfredo Garcia, ein berüchtigter Gigolo, hat seine Tochter geschwängert; diese Familienschande kann El Jefe nicht auf sich sitzen lassen und fordert für ein „Kopfgeld“ von 1.000.000 Dollares sprichwörtlich Garcias Schädel. Bei ihren Recherchen treffen die Mafiosi (Gig Young, Rober Webber) in einer Spelunke auf den abgehalfterten amerikanischen Glücksritter Bennie (Warren Oates), der sich als Barpianist mehr schlecht als recht verdingt. Bennie kennt Garcia, verrät den Mobstern allerdings nicht, dass der Gesuchte schon längst bei einem Autounfall das Zeitliche gesegnet hat. Er lässt sich für läppische 10.000 $ anheuern, den Schädel zu liefern; die Kohle soll für ihn und seine Freundin Elita (Isela Vega) den lang ersehnten, aber weit entrückten Neuanfang in den USA bedeuten. Gemeinsam mit Elita macht er sich auf die Reise in Garcias Heimatdorf, in dem der Verstorbene schon längst verscharrt die Radieschen von unten betrachtet. Dort angekommen, nehmen die Dinge allerdings eine dramatische Wendung. El Jefe, der inzwischen das Vertrauen in die Professionalität seiner amerikanischen „Geschäftsfreunde“ verloren hat, hat inzwischen eigene Leute mit der Suche nach dem Schädel beauftragt und diese scheren sich einen feuchten Kehricht um die Zukunft des Loser-Pärchens...

 

USA 1974

 

Die Kritik des Sargnagels:

Masterpiece!!! Völlig unterbewertetes, seinerzeit verrissenes Schmuckstück von „Bloody“ Sam Peckinpah, dem Großmeister der Zerstörung des amerikanischen Traums. Angelehnt an „Der Schatz der Sierra Madre“ vom Regie-Granden John Huston, schuf Peckinpah einen völlig desillusionierenden Action-Thriller mit Tiefgang.

Trotz der „Jetzt-Zeit-Handlung“ drängen sich Parallelen zum Italowestern auf: die mexikanische Location; die Handlungsmotive Geld und Rache; Shoot-Outs vom Allerfeinsten; explizite Gewaltdarstellungen; zynische One-Liner. Aber Peckinpah drehte die Spiralen bis zum Anschlag, kaum jemals zuvor und danach gab es den Anti-Helden in dieser extremen Form, wie von Warren Oates (wie Peckinpah völligst unterschätzt, der Mann) dargestellt. Ihm geht jegliche Souveränität und Mystik der italienischen Protagonisten ab: ein egozentrischer Unsympath wie er im Buche steht, der sich in seiner lausigen Existenz noch selbst vollkommen überschätzt. Im Gegensatz zu Doc McCoy aus Peckinpahs „Getaway“ lässt sich Bennie auch nicht von seiner Gefährtin moralisch beeinflussen.

Und doch beginnt mit dem Handlungstwist eine Identifikation mit dem Loser Bennie, als dieser - jeglicher Zukunftsperspektiven beraubt - manisch seinen Deal zu Ende bringen will. Bennie erklärt sich in den fiktiven Dialogen mit dem abgeschlagenen Kopf selbst. Er sucht Vergebung in seiner Rache; wissend, dass auch für ihn nur das bittere Ende stehen wird, und trotzdem zieht er fatalistisch seinen Stiefel durch.

Auch der Rest der Darsteller-Riege gibt überzeugende Performances ab (u.a. Kris Kristofferson als übler Biker in einer Nebenrolle), gegenüber dem alles dominierenden Oates allerdings bleibt ihnen nur ein ausgedehntes Statisten-Dasein. Handwerklich gibt’s wie üblich bei Peckinpah garnüscht zu meckern, anstatt über seine stilprägende SlowMo-Schnitttechnik (wie immer gewohnt knackig und eindrucksvoll) zu philosophieren, könnte man auch Eulen nach Athen tragen. Übrigens gilt „Bringt mir...“ als einziger Film Peckinpahs, der mit dem vom Regisseur angedachten Schnitt herauskam und nicht von Produzenten nachträglich verstümmelt wurde.

Fazit: Alltime-Classic. Uneingeschränkt die Höchstwertung, der Streifen hinterlässt noch tagelang nach Betrachten Eindrücke.

 

Rating: $$$$$

Enter supporting content here