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Das Italowestern-Archiv
Pusher-Trilogie

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Frank rechnet ab, natürlich ohne den Wirt (Kim Bodnia)

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Geschäftsgespräche unter Kollegen (v.l.n.r. Slavko Labovic, Ilyas Agac, Zlatko Buric)

R: Nikolas Winding Refn; B: Nikolas Winding Refn, Jens Dahl; M: Peter Peter; K: Morten Soborg ; D: Kim Bodnia, Mads Mikkelsen, Zlatko Buric

 

Quelle: DVD, Galileo Medien AG

 

 

Pusher :
Der Drogendealer Frank (Kim Bodnia) geht in Kopenhagen mit seinem unterbelichteten Kollegen Tonny (Mads Mikkelsen) seinen täglichen Geschäften nach. Seit Jahren pflegt er einen recht eintönigen Tagesablauf, der ihn gefühlsmäßig abgestumpft hat – tagsüber werden leger die „Geschäfte“ mit seinen abgerissenen, süchtigen Kunden getätigt, abends wird die Penunze in Bars und Nobel-Discos und unters Volk gebracht.
Leider geht der Lifestyle auch ins Geld; solange täglich frische Kohle reinkommt, ist das Frank eigentlich egal, bis eines Tages ihn der serbische Großdealer Milo (Zlatko Buric) an seine Verbindlichkeiten erinnert. Da trifft sich’s günstig, das ein ehemaliger Knastkollege aus Schweden eine größere Menge Heroin einkaufen möchte. Frank könnte auf einen Schlag seine Schulden mit dem Deal tilgen und ordert bei Milo die Droge auf Kommission.
Leider platzt das Geschäft, auf der Flucht vor der Polente versenkt Frank das Pulver unwiederbringlich in einem Teich. Nun steht Frank mit 230.000 Kronen bei den Serben in der Kreide, und die finden das überhaupt nicht lustig...

 

Pusher II – With Blood On My Hands:

Tonny kommt nach ein paar Jährchen Zwangsaufenthalt hinter Gittern wieder in Freiheit.
Mit guten Vorsätzen im Gepäck muss er allerdings erkennen, dass sein Umfeld nicht gerade vor Euphorie sprüht, gilt Tonny doch allgemein als minderbemittelter  „Seuchenvogel“ und chronischer Loser.
Keine Aussicht auf einen vernünftigen Job, die Ex-Freundin präsentiert ihm überraschend einen Stammhalter, sein Vater (genannt der „Schmied“, eine kleine Unterweltgröße in Kopenhagen) lehnt ihn ab und wendet sich lieber seinem zweiten Sohn Waldemar zu.
Nach längerem Drängen nimmt ihn der Schmied dann doch „auf Bewährung“ auf, seine Freizeit verbringt Tonny mit seinem Jugendfreund und Gelegenheitszuhälter Mösen-Kurt mit Dealereien. Die guten Vorsätze gehen mit der Zeit und der wachsendenden Perspektivlosigkeit immer mehr flöten; als Mösen-Kurt auch noch einen Drogendeal versemmelt, gerät der orientierungslose, aber gutmütige Tonny immer mehr in den Strudel von Abhängigkeiten. Die Unterwelt kennt keine Gnade und auch Verwandtschaftsverhältnisse spielen keine Rolle mehr, wenn’s ums Geld geht...

 

Pusher III – I´m The Angel Of Death:

Hektische Tage stehen für den serbischen Gastronomen und Drogenhändler Milo an.
Seine anspruchsvolle Tochter will ihren 25. Geburtstag feiern, da stehen einige Besorgungen an und Milo will natürlich als guter Vater und Hobbykoch den Feierlichkeiten einen besonderen Glanz verleihen. Auch der gerade begonnene Drogenentzug wirkt sich aufs Gemüt aus,  die Stimmungslage sinkt teilweise ins Bodenlose, was sich Milo als knallharter Chef und besorgter Vater natürlich nicht anmerken lässt.
Die Vorbereitungen werden leider durch geschäftliche Probleme gestört; statt einer Lieferung mehrerer Kilos Heroin bekommt Milo von seinen albanischen Geschäftskollegen Tausende von Extasy-Pillen angekarrt. Ein Stöffchen, das nicht gerade zu Milos Spezialitäten gehört. Wo das Zeug nun schon mal da ist, wird’s auch genommen; er überlässt es dem aufstrebenden Jungunternehmer Mohammed auf Kommission.
Nachdem Milo mit seinen Kochkünsten seine Mitarbeiter krankenhausreif bekocht hat, sieht er sich  plötzlich mit seinen Problemen alleine gelassen. Als Mohammed sich auch nicht mehr bei Milo meldet, stehen überraschend die Albaner vor der Tür und fangen an, Forderungen zu stellen, die Milo alles andere als in den Kram passen. Milo fängt wieder an Heroin zu rauchen, benebelt vom Stoff und ohne Hilfe seiner Jungs potenzieren sich die Unannehmlichkeiten. Milos letzte Chance ist die Reaktivierung seines „pensionierten“ Revolvermannes Radovan...

 

DK 1996 - 2005 

 

 

Die Kritik des Sargnagels:

Extrem harter, realistischer Stoff aus Dänemark, im wahrsten Sinne des Wortes.
Zur Trilogie wurde die Pusher-Reihe erst durch den unangenehmen Umstand, das Nikolas Winding Refns Hollywood-Debüt „Fear X“ gnadenlos floppte.

Da der schon 1996 gedrehte „Pusher“ in Dänemark und in europäischen Undergroundkreisen über die Jahre Kultstatus erreichte (Kim Bodnia hatte mit Pusher seinen ersten FullFeature-Film), entschloss sich Refn zur Trilogie, um seine angeschlagene Produktionsfirma zu retten.

Kein falscher Entschluss, denn die Folgeteile können das Niveau des Erstlings bis auf kleine Details halten. Auch wirkt die Produktion trotz der zwischen Teil I und Teil II liegenden 8 Jahre wie aus einem Guss, da man sich streng ans dänische „Dogma“ hält.

Steady-Cam, stringente Handlung, Laiendarsteller aus dem Milieu und hervorragende Schauspieler in den Hauptrollen (Mads Mikkelsen spielt demnächst übrigens den Gegenspieler von James Bond in „Casino Royale) machen die Streifen zu einem fesselnden, schwerverdaulichen aber höchst realistischen Genuss.

Im Gegensatz zu bspw. „Christiane F.“ verspürt man mit keinem der Protagonisten ein Fünkchen Mitleid, auch wurde auf reißerische, tausendfach gesehene Konsumszenen mit aschfahlen, armzerstochenen Fixern auf dem Bahnhofsklo verzichtet. Grade der Verzicht aufs Spektakuläre macht die Filme so eindringlich, es sind Details die schocken.

Wieder mal ein Beweis, das die Gegenwart des europäischen Kinos nicht in Frankreich, Deutschland oder bei den Briten liegt, sondern in den kleinen, aber innovativen skandinavischen Ländern.

 

Rating (Gesamtschnitt): $$$$+

 

Love-Story: 0/10

 

Explizite Brutalitäten :

-       Frank weist Tonny per Baseballschläger ins Krankenhaus ein. (Pusher I)

-      Radovan erweist sich als geschulter Hobbyschlachter (Pusher III)

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