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Das Italowestern-Archiv
Lasst uns töten, Companeros! (Vamos a Matar, Companeros!)

AK: Zwei Companeros (D)

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Noch sind die Haare dran: Tomas Milian und Iris Berben

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Chirurgie des 19. Jahrhunderts : Johns Prothese sorgt für Gelächter (Jack Palance, Franco Nero)

R: Sergio Corbucci ; B: Sergio Corrucci, Massimo De Rita ; K: Alejandro Ulloa ; M: Enio Morricone ; D: Franco Nero, Tomas Milian, Jack Palance, Fernando Rey, Iris Berben, Jose Bodalo

  

In den revolutionären Zeiten Mexikos haben die Bauern nichts zu lachen.  Die mexikanische Armee fordert unerbittlich den Gehorsam der einfachen Landbevölkerung ein. Auch die Gegenseite, wie der Bandit und selbsternannte Revolutionär Mongo (Jose Bodalo), hat nicht demokratische Grundwerte im Sinn, sondern eher ein prallgefülltes Portemonnaie. Per Zufall wird der „Baske“ (Tomas Milian), ein Schuhputzer, zu Mongos Stellvertreter ernannt und soll die Stadt San Bernardino befreien. Mongo selbst zieht sich nämlich grundsätzlich in den Hintergrund zurück, wenn’s brenzlig wird. Relativ planlos, aber hoch motiviert ist der „Baske“ erfolgreich, stößt aufgrund seiner rüden Art aber nicht gerade auf Zustimmung bei der örtlichen Bevölkerung. Seine angepeilte Landung bei Dorfgrazie und Friedensaktivistin Lola (Iris Bergen) verschiebt sich daher erst einmal. Lola gehört zu den studentischen Konkurrenzrevoluzzern um Prof. Xantos (Fernando Rey), einem mexikanischen „Ur-Ghandi“, der den gewaltlosen Widerstand predigt. Zeitgleich trudelt der schwedische Abenteurer, Weltenbummler und Söldner Yodelaf Peterson (Franco Nero), genannt der „Pinguin“, mit einem Eisenbahnwaggon voller Munition und Waffen in San Bernardino ein, um mit Mongo ein einträgliches Geschäftchen abzuwickeln. Doch da Mongo wieder mal klamm ist, muss vorher der Banktresor - ein schwedisches Modell - der San Bernardino Bank geknackt werden. Der Einzige, der den Tresor öffnen kann,  ist Xantos, der die Kombination des Schlosses kennt.  Der aber sitzt unglücklicherweise schwer bewacht hinter der Grenze, in Fort Yuma, als Volksverhetzer ein. Und so machen sich der Baske und der Pinguin auf gen Norden, um den Friedenspapst in seine angestammte Heimat zurückzuführen.  Könnte auch so einfach sein, wenn nicht John (Jack Palance), ein ehemaliger Gefährte des Pinguins, noch eine fette Rechnung mit dem Schweden offen hätte. Zudem ist John-Boy von amerikanischen Industriellen engagiert worden, um Xantos zu liquidieren, der bestimmten Geschäftsinteressen im Wege steht ...

 

I 1970

 

Zitate:

Baske: „Warum hast Du die beiden Jungs umgelegt?“ -  Peterson: „Es war Dienstag, ich hatte schlechte Laune, und sie liefen mir gerade übern Weg.“

 

John: „Mit seinem kleinen Schnäbelchen hat mich Marshall von dem Baum befreit, an den mich die wütenden Bauern genagelt hatten.“ – Peterson: „Wie das? Mit dem Schnabel kann er doch keinen Nagel rausziehen?“- John (präsentiert seine Holzhand): „Er hat die Hand abgehackt, vom Nagel abgerissen, und ich war frei.“ – Peterson: „Nimm’s nicht tragisch, Kumpel. So kleine Unfälle passieren überall.“

 

„Ich kannte mal einen, der konnte mit der Nase Feuer geben. Mal sehen, ob Du das auch kannst.“ (Peterson zum Croupier, bevor er sein Streichholz in der Innen(!)seite von dessen Nase anreißt)

 

Soldat: „Moment mal, was bist Du denn für einer?“ – Peterson: „Ich bin der neue junge Mann fürs Grobe.“ (Darauf gibt’s einen auf die Zwölf)

 

  

Die Kritik des Sargnagels:

Sergio Corbucci verfilmte zwei Jahre nach ´Il Mercenario´ denselben Stoff zum zweiten Mal. Während der Vorgängerstreifen noch Corbuccis  ernsthaft-zynische Antwort auf Filme wie z.B. ´Töte Amigo´ und die Sollima-Trilogie war, wurde ´Vamos a Matar, Companeros´ eine „Commedia Dell´Arte“ des Italowesterns.  Dennoch ist ´Companeros´ keine oberflächliche Komödie geworden, sondern transportiert seine Inhalte über die Hauptprotagonisten. Die vorzüglichst agierenden Darsteller sind Symbolfiguren: Der Baske ist der klassische, ungebildete mexikanische Landmann; stolz, heimatverbunden, aber leider zu doof, um zu erkennen, dass er nur ausgenutzt wird. Sein Hass ist unreflektiert, und seine Gewalt argumentiert er mit Sprechblasen aus der Revolutionskiste. Lola stellt die Intelligenzia dar, die hilflose Ratio. Und der Pinguin ist der rein aufs eigene Wohl bedachte Ausländer, der seine Hilfe nur dem gibt, der auch ordentlich dafür blecht. Mit der Zeit durchlaufen die Protagonisten allerdings einen Sinneswandel, den die Darsteller fernab von eintönigem, comic-haftem Chargieren glaubhaft rüberbringen. Nero und Milian brachten sich dabei in die Charakterzeichnung mit ein und spielten die Rollen nach ihren eigenen Vorstellungen. Vor allem Milian fackelt dabei ein Feuerwerk an Mimiken und stilistischen Eigenheiten ab - vor allem mit seiner Mütze, dass es eine wahre Pracht ist. Auch die Nebenrollen sind hochgradig besetzt. Fernando Rey als alternder Friedensengel und vor allem Jack Palance als dauerbekiffter, holzhändiger John sind keine reinen Zusatzgesichter, sondern können den beiden dominanten Hauptakteuren immer Gleichwertiges entgegensetzen. Alles in allem merkt man jedem eine enorme Spielfreude an; Corbuccis eigentliche Kunst bei diesem Film bestand darin, diese Laune in die rechten Bahnen zu lenken, was ihm hervorragend gelang.

Handwerklich gibt’s bei Corbucci wie üblich nix zu mäkeln, die seit Django stetig steigenden Budgets merkt man auch diesem Film an, und die Mittel wurden auch gut investiert. Das Gunplay ist ordentlich und vor allem üppig in Szene gesetzt, was sich auch in einem fast unzählbaren Bodycount ausdrückt. Den Umgang mit einer Gatling-Gun war ja Nero schon von einem früheren Corbucci-Werk gewohnt... Ansonsten gibt’s noch Corbucci-typische Fiesematenten wie z.B. Schussübungen à la Wilhelm Tell, die für die zynische Würze sorgen.

Richtig Spass macht der Score von Ennio Morricone. Der Meister selbst beschreibt sein Werk als Crossover aus Mariachi, Reggae und Gregorianischen Chorälen und besitzt wie der Streifen an sich einen grossartigen Humor. Den Reggae-Einfluss kann ich zwar nicht raushören, aber Ennio hat wieder was Einzigartiges draus gezaubert. Vor allem der Titeltrack in Form einer “Revolutions-Hymne“ hat eine enorme Energie. Passt wie die Faust aufs Auge.

 

Fazit : Pralle zwei Stunden feinste Italo-Unterhaltung von Papa Corbucci. Nicht so stilprägend wie Django, aber vielleicht Sergios reifstes Western-Werk.

 

Rating: $$$$+

 

 

Die Kritik des Gunslingers:

Es ist immer eine Gradwanderung, wenn sozialkritische Inhalte transportiert und gleichzeitig mit Comedy-Elementen verknüpft werden: Nicht Fisch, nicht Fleisch. Für eine Comedy ist zu viel schwere Kost Gift, während Komik die ernstgemeinten Inhalte schnell banalisieren kann. Ganz schwer, da die Balance hinzukriegen. So auch hier: Doch Corbuccis Meisterschaft und seine Akteure stellen sicher, dass „Lasst uns töten …“ schlussendlich die Kurve kriegt. Mal abgesehen von der ansonsten von mir geschätzten Iris Berben – hier leider nur was für die Optik – ist der Film bis in die Nebenrollen klasse besetzt. Eduardo Fajardo beispielsweise gibt hier für ca. zehn Minuten eine Kostprobe seines Wahnsinns als schampusschlürfender mexikanischer Offizier: Reihenweise lässt er Peones während der „Wahlen“ an die Wand stellen, bevor ihm Tomas Milian den Säbel ins Gekröse jagt. Die Krönung schießt wirklich der sonst knochenharte Jack Palance ab: Spitzenmäßig sein holzhändiger Gunman, der für eine Handvoll mexikanisches Gras zu jedem Auftragsmord bereit ist und nur seinem Wanderfalken „Marshall“ vertraut. Über die wie gewohnte hochklassige Arbeit von Kameramann Uloa und Ennio Morricone brauchen wir uns nicht weiter zu unterhalten.

Da war definitiv viel Spaß am Set, der sich auch auf den Zuschauer überträgt, wenngleich der Film deutlich zu lang geraten ist.

 

Rating: $$$$-

 

Liebe : Die Love-Story zwischen Lola und dem Basken mündet letztendlich vor dem Traualtar. Weil Corbucci glücklicherweise auf jegliche Schnulzereien verzichtet hat, gibt’s nur eine 3/10-Wertung.

 

Explizite Brutalitäten:

- Schussübungen des Basken: Armeesoldaten werden Honigmelonen vom Kopf geschossen.

- Schussübungen von Mongo: Mexikanische Bauern müssen auf einen Mast klettern, auf dessen Spitze ein Gewehr hängt. Schaderweise dienen sie dabei als Lebendziele für Mongo, der über einen Spiegel zielend die Opfer von der Stange ballert.

- John hängt den Pinguin in der brütenden Mittagssonne an einen Galgen und stellt ihn dabei auf ein rollendes Fass anstatt eines Grabkreuzes.

-Johns Leute binden dem Basken einen Weidenkorb auf den nackten Bauch, unter dem ein hungriger Maulwurf wütet: "Er ist ein richtiger Wildfang."

 

Specials

-Johns bester Kumpel ist neben seinem eigentlich nie ausgehenden Joint ein dressierter Wanderfalke

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